
Der kleine Steinbrunnen im Hinterhof plätschert heute Nachmittag besonders gleichmäßig. Ich sitze an meinem Küchentisch in der Ostengasse, der Fencheltee in der hellblauen Tasse dampft noch zu stark, um ihn zu trinken. Draußen, hinter der Rückseite vom Bäcker Prantl, schieben sich die Schatten langsam über das Pflaster. Es ist jetzt Mitte Mai 2026, und dieses stille Ritual am Sonntagnachmittag ist für mich so etwas wie der Ankerpunkt der Woche geworden. Auf dem Tisch liegt mein Leinen-Heft, daneben das abgegriffene Buch von Rosina Kaiser.
Hinweis: In meinen Sonntagsnotizen finden sich hin und wieder Links, die als Werbung gelten (Affiliate-Links). Wenn du über einen dieser Links das Buch oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich ändert sich am Preis natürlich nichts. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich selbst in meinem Heft durchgerechnet und ausprobiert habe. Meine vollständige Offenlegung findest du im Impressum.
Vom Herzrasen zur Stille am Küchentisch
Wenn ich an die Zeit vor Januar 2024 zurückdenke, fühlt es sich an wie ein anderes Leben. Dreiundzwanzig Jahre lang war ich die Frau Haselbeck an der Clermont-Ferrand-Schule. Ich sehe noch die grüne Wandtafel vor mir, den nassen Lappen, der immer ein bisschen zu säuerlich roch, und diesen Stapel Korrekturen, der nie kleiner wurde. Das Burnout kam nicht über Nacht; es war eher wie ein schleichender Nebel. Erst war es nur die Schlaflosigkeit, dann dieser enge Kloß im Hals, der sich jedes Mal bemerkbar machte, wenn ich nur an den nächsten Elternabend dachte. Morgens vor sechs, wenn der Wecker klingelte, raste mein Herz, als müsste ich einen Marathon laufen, dabei stand ich nur im Bad und hielt mich am Waschbeckenrand fest.
Seit ich in Altersteilzeit bin und nur noch zwölf Wochenstunden unterrichte, meistens Dienstag- und Donnerstagvormittag, ist dieser Kloß verschwunden. Ich unterrichte jetzt eher ruhige Fächer, keine Klassenleitung mehr. Dennoch brauchte ich etwas, das die Leere füllt, die nach dem großen Rückzug entstand. Im Juni vor zwei Jahren, es war ein warmer Frühsommertag 2024, drückte mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg ein Buch in die Hand. 'Irgendwas Kleines für den Sonntag, Kerstin', sagte sie, 'nichts Großspuriges.' Es war der Zahlen-Code von Rosina Kaiser.
Zuerst war ich skeptisch. Als Lehrerin bin ich darauf trainiert, Fakten zu prüfen, Strukturen zu bewerten. Ich fing an, wie ich es in der Schule gelernt hatte: Ich erstellte eine Excel-Tabelle, versuchte die Tageszahl mit Formeln zu bändigen. Ein technischer Fehler. Es fühlte sich an wie eine Verwaltungsaufgabe, wie das Eintragen von Notenlisten. Erst als ich die Tabelle schloss und mein altes Leinen-Heft aufschlug, änderte sich etwas. Die Tageszahl zu berechnen, braucht keinen Computer. Es braucht einen Stift, ein Blatt Papier und die Bereitschaft, langsam zu werden.
Wie ich meine Tageszahl berechne
Die Berechnung ist eigentlich ganz simpel, fast wie eine Rechenaufgabe für meine damalige Klasse 3b, aber die Bedeutung liegt in der Ruhe der Ausführung. Man addiert die Ziffern des aktuellen Datums so lange, bis eine einstellige Zahl oder eine Meisterzahl übrig bleibt. Nehmen wir den heutigen Tag im Mai 2026. Ich schreibe die Zahlen langsam untereinander. Das Kratzen des Füllers auf dem Papier ist das einzige Geräusch in der Küche, abgesehen vom fernen Läuten der Domglocken.
Es geht nicht um Vorhersagen. Es geht um die Qualität des Tages. In Rosina Kaisers Buch, das etwa 139 Dollar kostet, finde ich dann die Entsprechungen. Ich habe gelernt, dass eine 'Vier' oft Struktur einfordert, während eine 'Drei' die Leichtigkeit betont. Letzten November, an einem verregneten Sonntag, ergab meine Rechnung eine Zahl, die für Rückzug stand. Ich blieb den ganzen Nachmittag in meiner Zweizimmerwohnung, schaute in den Hinterhof und las alte Briefe. Es passte einfach.
Manchmal zeigt die Zahl aber auch gar nichts. Es gab Wochen, da saß ich hier, hatte die Zahl berechnet und fühlte... nichts. Keine Resonanz, kein 'Aha-Erlebnis'. Das gehört dazu. Ich bin weder Numerologin noch Heilerin. Ich bin eine Frau in Altersteilzeit mit einer schiefen Lavendelvase vom Neupfarrplatz, die versucht, ihren Rhythmus zu finden. Wenn ein Muster ausbleibt, dann ist das eben so. Es ist wie im Unterricht: Manchmal bereitet man eine Stunde perfekt vor, und die Kinder sind trotzdem unruhig und nichts bleibt hängen.
Ein kurzer Blick auf die Technik
Einige Leserinnen haben mich gefragt, ob man dafür nicht Software nutzen sollte. Eine ehemalige Kollegin, die jetzt viel mit Radionik arbeitet, erzählte mir von Programmen wie MeineRadionik für etwa 179 Dollar oder dem etwas günstigeren EasyRadionik. Für jemanden, der Cluster-Analysen machen möchte oder einen sehr technischen Zugang sucht, mag das wunderbar sein. Es gibt sogar einen Premium Videokurs für fast zweihundert Dollar, der alles im Detail erklärt.
Aber für mich? Für meine Sonntage in der Ostengasse? Da wäre eine Software wie ein Fremdkörper. Ich möchte keine Bildschirme mehr sehen. Ich habe genug Jahre damit verbracht, digitale Zeugnisformulare auszufüllen. Ich brauche das Haptische. Wenn ich die Tageszahl berechne, möchte ich den Widerstand des Papiers spüren. Das ist mein Weg, um den Burnout zu bewältigen und die Stille zu genießen.
Die Grenze des Rituals: Wenn das Leben dazwischengrätscht
Ich muss hier aber auch ehrlich sein. Mein Ritual am Sonntagnachmittag ist ein Privileg der Altersteilzeit und meiner Lebenssituation. Ich wohne allein, meine Kinder sind erwachsen, mein größter Stressfaktor ist die Schlange bei der Würstlkuchl, wenn ich mal einen Spaziergang zur Steinernen Brücke mache. Aber ich denke oft an eine Bekannte, die ihren schwerkranken Mann zu Hause pflegt.
Für pflegende Angehörige ist so ein 'Sonntagsritual' oft ein ferner Traum, der fast wie Hohn klingt. Wie soll man die Tageszahl berechnen und in Ruhe über die Schwingung der 'Fünf' nachsinnen, wenn gerade der Pflegedienst anruft, der Patient gestürzt ist oder die Medikamente nicht geliefert wurden? In einem Leben, das von unvorhersehbaren Notfällen und dem hohen Betreuungsbedarf getaktet ist, gibt es keine festen Zeitfenster für meditative Berechnungen. Das ist die Realität. Der Zahlen-Code ist ein wunderbares Werkzeug, aber er setzt eine gewisse äußere Freiheit voraus, die nicht jeder hat. Wer in der Pflege steckt, dessen 'Tageszahl' wird oft von der Vitalität und den Bedürfnissen eines anderen Menschen bestimmt, nicht vom Kalenderblatt.
Ich bin dankbar, dass ich diese Freiheit jetzt habe. Wenn ich mein Leinen-Heft am Küchentisch aufschlage, atme ich tief durch. Der Duft von getrocknetem Lavendel vermischt sich mit dem Geruch von frischem Brot, das drüben bei Prantl gerade aus dem Ofen gekommen sein muss. Es ist eine friedliche Koexistenz der Sinne.
Ein Blick in das Regal der Erinnerungen
Im Regal hinter mir steht ein altes Ringbuch mit Kinderzeichnungen der Klasse 3b von 2019. Ich nehme es selten in die Hand, aber es ist da. Es erinnert mich daran, dass ich früher Verantwortung für dreißig kleine Seelen hatte. Heute habe ich Verantwortung für meine eigene Ruhe. Die Tageszahl hilft mir dabei, die Struktur in der Altersteilzeit zu bewahren, ohne mich einzuengen.
Manchmal, wenn ich die Zahl des Tages berechnet habe, merke ich, wie sich die Anspannung in meinen Schultern löst. Es ist nicht die Zahl selbst, die heilt — ich bin keine Ärztin und das hier ist keine medizinische Therapie. Bei echtem Burnout sollte man immer den Hausarzt oder eine Beratungsstelle der Gewerkschaft aufsuchen; das habe ich auch getan. Aber der Zahlen-Code ist für mich eine sanfte Methode, um den Geist zu beschäftigen, ohne ihn zu überfordern. Es ist ein Spiel mit Möglichkeiten.
Letzte Woche zum Beispiel war meine Tageszahl eine 'Eins'. Neubeginn, Initiative. Ich habe daraufhin endlich die alten Vorhänge gewaschen, was ich seit Monaten vor mir hergeschoben hatte. Hätte ich das auch ohne die 'Eins' getan? Vielleicht. Aber die Zahl gab mir den kleinen, freundlichen Schubs, den ich brauchte. Es war ein guter Dienstag, an dem ich mich fast so energiegeladen fühlte wie damals im Mai 2018, bevor alles zu viel wurde.
Einladung zum langsamen Rechnen
Wenn du selbst in einer Phase des Umbruchs steckst, vielleicht auch in Altersteilzeit oder nach einer langen Krankschreibung, probier es doch einmal aus. Du brauchst keine teure Ausrüstung. Ein einfaches Heft und vielleicht das Buch von Rosina Kaiser reichen völlig aus. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, sich selbst diesen Raum zu geben.
Hier sind meine kleinen Schritte für einen entspannten Sonntag:
- Zünde eine Kerze an oder stelle frische Blumen auf den Tisch (der Bauernmarkt am Neupfarrplatz hat die schönsten).
- Koche dir einen Tee, den du wirklich magst.
- Nimm dir Zeit, das Datum per Hand aufzuschreiben. Spüre den Stift.
- Berechne die Quersumme, bis du bei einer Zahl zwischen 1 und 9 (oder 11, 22) landest.
- Schlage die Bedeutung nach, aber nimm sie als Inspiration, nicht als Gesetz.
Vielleicht möchtest du ja auch deine Lebenszahl berechnen, um ein tieferes Verständnis für deinen Weg zu bekommen. Es ist eine Reise zu sich selbst, Schritt für Schritt, ohne Eile.
Draußen ist es jetzt fast still geworden. Der Steinbrunnen plätschert weiter, und ich werde nun endlich meinen Tee trinken. Er hat jetzt genau die richtige Temperatur. Die Tageszahl für heute habe ich bereits im Heft stehen. Sie verspricht einen ruhigen Abend. Und genau das ist es, was ich nach all den Jahren im Klassenzimmer am meisten schätze: die Erlaubnis, dass der Abend einfach nur ruhig sein darf.
Falls du Fragen zum Buch oder zu meinen Erfahrungen hast, schreib mir gerne. Ich bin keine Expertin, aber ich teile gerne, was ich an meinem Küchentisch in der Ostengasse so herausfinde. Pass gut auf dich auf und hör auf dein Herz — und vielleicht auch ein bisschen auf die Zahlen.
" ,Alles Liebe aus Regensburg,
Kerstin