
Es ist Donnerstagabend, kurz nach sechs. Ich stehe allein im Klassenzimmer der 3b, die Fenster zur Clermont-Ferrand-Allee sind gekippt, und der vertraute Geruch von feuchtem Tafelschwamm und Bohnerwachs hängt in der Luft. Eigentlich unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden, Dienstag und Donnerstag Vormittag. Doch heute ist Elternabend.
Ein kleiner Hinweis vorab: In meinen Sonntagsnotizen finden sich hin und wieder Links zu Büchern oder Kursen. Das sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich bleibt der Preis genau gleich. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich an meinem Küchentisch in der Ostengasse selbst ausprobiert habe.
Früher, in den dreiundzwanzig Jahren als Vollzeit-Lehrerin, war dieser Moment vor dem Eintreffen der Eltern eine Qual. Das Herzrasen begann meist schon morgens vor sechs, wenn der Wecker klingelte. Ein Kloß im Hals, der sich auch mit dem besten Fencheltee nicht herunterschlucken ließ. Mein langsames Burnout, das ab 2022 schwelte, fand in diesen Abenden seinen Höhepunkt. Doch heute, im März 2026, fühlt es sich anders an. Ich greife in die Tasche meiner Strickjacke und berühre das kleine Stück Papier, auf dem die Zahl steht, die ich mir am letzten Sonntag notiert habe.
Der Sonntag am Küchentisch in der Ostengasse
Seit Juni 2024 habe ich ein Ritual. Jeden Sonntagnachmittag gegen drei Uhr setze ich mich an meinen Küchentisch. Durch das Fenster sehe ich im Hinterhof den kleinen Steinbrunnen und die Rückseite vom Bäcker Prantl. Es ist die Zeit, in der der Dom-Schatten langsam länger wird und die Altstadt zur Ruhe kommt.
Am 15. Februar saß ich dort mit meinem Leinen-Heft. Der Dampf von meinem Fencheltee beschlug meine Brille, während ich die Tageszahl für den kommenden Termin berechnete. Es ist ein stilles Handwerk, das ich von Rosina Kaiser gelernt habe. Ich nutze den Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter]. Es ist kein Hexenwerk und keine große Esoterik — für mich ist es eher wie das vorsichtige Formulieren, das ich den Kindern früher beigebracht habe. Ein Ordnen der Gedanken.
Ich habe in den letzten Monaten insgesamt 556 Euro für dieses Thema ausgegeben — mein eigenes Buch und drei weitere Exemplare als Geschenke für ehemalige Kolleginnen, die ebenfalls unter der Last des Schulalltags seufzen. Es ist mein persönlicher Anker geworden.
Wenn Zahlen keine Magie sind, sondern Struktur
In jener Februarnacht berechnete ich die Tageszahl für den 12. März. Ich suchte nach einer Resonanz, nicht nach einer Vorhersage. Früher habe ich den Fehler gemacht, die Lebenszahl eines besonders schwierigen Vaters berechnen zu wollen. Ich dachte, ich könnte ihn dadurch kontrollieren oder seine Reaktionen vorwegnehmen. Aber das war ein Trugschluss. Der Zahlen-Code ist nicht dafür da, andere zu manipulieren. Er ist für meine eigene Schwingung da.
Während ich die Zahl 8 in mein Heft zeichnete, dachte ich an die Mütter in meiner ehemaligen Klasse. Besonders an jene, die als Alleinerziehende im Schichtdienst arbeiten. Für sie sind Standard-Tipps zur mentalen Vorbereitung oft ein Hohn. Wer gerade von einer Nachtschicht kommt oder zwischen zwei Diensten schnell die Kinder versorgt, hat keine Kapazität für komplexe Rituale. Der Zahlen-Code ist hier fast wie ein kurzes Gebet oder eine Atemübung — etwas Kleines für den Sonntag, das man in den Alltag mitnimmt, ohne dass es zusätzlichen Raum frisst.
Der 12. März: Die Stille vor dem Sturm
Als die erste Mutter die Tür zum Klassenzimmer öffnete, passierte etwas Ungewohntes: Nichts. Kein Kloß im Hals. Kein Fluchtimpuls. Ich sah auf die Geburtstagskarten, die noch an der Pinnwand hingen, und fühlte mich präsent. Ich dachte: 'Du bist nicht mehr das Burnout von 2023; du bist die Frau, die ihre Sonntagszahl kennt.'
In der Numerologie — oder besser gesagt in der Arbeit mit Zahlen-Codes nach Rosina Kaiser — geht es darum, die innere Ordnung wiederherzustellen. Es ist ein bisschen wie in der Altersteilzeit selbst: Man reduziert das Rauschen, um den Kern wieder zu hören. Eine ehemalige Kollegin fragte mich neulich nach Radionik-Software, vielleicht etwas wie MeineRadionik, aber das ist mir zu technisch. Ich brauche mein Leinen-Heft, den Stift und die dreißig Minuten am Sonntag.
Natürlich gab es auch Wochen, in denen das System nicht griff. Ein Mittwoch im Januar, an dem der Schnee auf dem Neupfarrplatz matschig wurde und ich mich trotz aller Zahlen einfach nur erschöpft fühlte. Der Code ist kein Allheilmittel. Er erklärt nicht, warum ein Kind weint oder warum die Heizung im Klassenzimmer ausfällt. Aber er gibt mir ein Gerüst, wenn die Angst versucht, mich einzumauern.
Ein neuer Blick auf die Verantwortung
Der Elternabend verlief ruhig. Wir sprachen über den Stoffplan, über den Ausflug zur Steinernen Brücke und über die Stimmung in der 3b an einem typischen Donnerstag im Mai. Zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich mich nicht wie eine Zielscheibe, sondern wie eine Begleiterin.
Es ist jetzt April 2024, und ich sitze wieder am Fenster. Der Steinbrunnen im Hof plätschert leise. Wenn ich auf meine Zeit an der Clermont-Ferrand-Schule zurückblicke, sehe ich die zweiundzwanzig Ferientage im Planer und den Stoffbeutel mit Bastelfilz, der noch im Keller steht. Aber ich sehe auch die Heilung.
Falls du selbst nach einem Weg suchst, die Sonntage friedlicher zu gestalten, kann ich dir das Buch von Rosina Kaiser ans Herz legen. Es ist kein Heilsversprechen, sondern ein Werkzeug. Du findest es hier: Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter]. Es ist eine Einladung, sich selbst wieder zuzuhören, während der Fencheltee langsam abkühlt.